time to remember? hab nur so aus jux n bissel rumgenschnibbelt..


Streik der ‚Travailleur(es)s Sans Papiers‘ (papierlose Arbeiter/innen) in Frankreich

Es handelt sich hier um eine Ubersetzung eines ‚Communiques‘ von Droits Devant!!, die von mir angefertigt wurde. Es geht um den seit 5 Wochen andauernden Streik der ‚Travailleur(es)s Sans Papiers‘ (papierlose Arbeier/innen) im Kampf um ihre Regularisierung.

Droits devant !!
COMMUNIQUÉ
Paris, le 20 mai 2008

Die Regierung hat ihre Versprechen nicht gehalten, wir halten die Unseren: Hunderte von ‚Travailleur(es)s Sans Papiers‘ (papierlose Arbeier/innen) beginnen eine 2. Streikwelle am Dienstag den 20. Mai 2008

Seit dem 15 April bestehen 15 – vom CGT und Droits Devant!! unterstuetzte – Streikposten, die hunderte von ‚Travailleurs Sans Papiers‘ umfassen, die sich im Kampf fuer ihre ‚Regularisierung‘ befinden.

In der fuenften Streikwoche sind bislang nur 70 von ihnen regularisiert worden. Die Regierung hat ihre Versprechungen nicht gehalten.

Deshalb gehen nun Hunderte von ‚travailleurs et travailleuses sans-papiers‘ – unterstuetzt von CGT, Droits Devant!!, L‘Union Syndicale Solidaires und dem CNT – in einen unbefristeten Streik in zahlreichen Unternehmen, die ueber die acht ‚departements‘ der ‚Ile-de-France‘ verteilt sind.

Diesen Morgen um 11 Uhr betrifft diese 2. Streikwelle 200 ‘ travailleurs sans-papiers‘ in insgesamt 20 Unternehmen. Weitere werden im Laufe des Tages folgen, besonders in vielen Unternehmen, die sich auf der L‘Avenue Champs-Élysées befinden.

Mit dieser Ausweitung der Bewegung wird die Regierung verstehen muessen, dass sie keine andere Wahl hat, als umgehend saemtliche Streikenden, und insgesamt alle ‚travailleurs et travailleuses sans-papiers‘ in Frankreich zu regularisieren.

Diese ‚travailleurs et travailleuses sans-papiers‘ haben nichts mehr zu verlieren und sind entschlossen den Streik bis zum Ende aufrecht zu erhalten, und sind sich dessen bewusst ein Bresche zu schlagen, die tausende weitere nutzen koennten.

Mit dem Willen auf Zeit zu spielen, dem Willen das unvermeidliche Faelligkeitsdatum einer ‚globalen‘ Regularisierung hinauszuschieben, mit dem Willen weiter bei einer Fall fuer Fall Prozedur zu bleiben, setzt sich die Regierung der Gefahr einer wachsenden Vergroesserung des Streiks aus.

Weitere Infos:

http://www.droitsdevant.org/

http://paris.indymedia.org/

http://www.cgt.fr/internet/

Die franzoessichsprachige Originalversion:

Droits devant !!
COMMUNIQUÉ
Paris, le 20 mai 2008

LE GOUVERNEMENT N’A PAS TENU SES ENGAGEMENTS, NOUS TENONS LES NÔTRES:
DES CENTAINES DE TRAVAILLEUR(SE)S SANS-PAPIERS ENTAMENT UNE 2ÈME VAGUE
DE GRÈVES CE MARDI 20 MAI 2008

Depuis le 15 avril 2008, quinze piquets de grève soutenus par la CGT
et Droits devant!! regroupent des centaines de travailleurs
sans-papiers en lutte pour leur régularisation.

À la cinquième semaine de grève, seuls 70 d’entre eux ont été
régularisés. Le gouvernement n’a pas tenu ses engagements.

C’est pourquoi des centaines de travailleurs et travailleuses sans-papiers,
soutenus par la CGT et Droits devant!!, ainsi que par l’Union
Syndicale Solidaires et la CNT, entament à leur tour une grève
illimitée dans des dizaines d‘entreprises réparties sur les huit
départements d‘Île-de-France.

À 11h ce matin, cette 2ème vague de grèves concernait 200 travailleurs
sans-papiers répartis dans 20 entreprises. D‘autres suivront dans la
journée, notamment dans plusieurs entreprises situées sur l‘avenue des
Champs-Élysées.

À travers cette amplification et cet élargissement du mouvement, le
gouvernement doit comprendre qu’il n’a d’autre choix que de
régulariser immédiatement l’ensemble des grévistes, et globalement
tous les travailleurs et travailleuses sans-papiers en France.

Ces derniers n’ont plus rien à perdre et sont déterminés à poursuivre
la grève jusqu’au bout, conscients d’ouvrir une brèche dans laquelle
s’engouffreront des milliers d’autres.

À vouloir jouer la montre, à vouloir reculer à tout prix l’échéance
inévitable de la régularisation globale, à vouloir continuer à
procéder à un cas par cas administratif, le gouvernement s’expose à
une généralisation progressive de la grève.

Sans Papiers .. ein paar Eindruecke aus Paris

Paris … Samstag .. die Sonne scheint, ein sonniger Samstag im Februar. Die Metro ist voll, Menschenmassen die aneinander vorbei beliebige Punkte fixieren. Sich bloss so wenig wie moeglich in die Augen schauen..

Ich steige aus, blinzle ins Sonnenlicht hinein: Vincennes.. hmmm, wo ist jetzt die Pferderennbahn? Vielleicht haette ich doch ein bisschen genauer auf den Stadtplan schauen sollen… Ich frage mich durch, kriege immer nur vage Antworten. Eine ganze Weile spaeter rufe ich Casper an, und, ich hab Glueck, er sitzt vorm Internet.. kannst Du nicht mal schauen, ob Du ne genauere Wegbeschreibung findest? Klar, macht er, so ist er der Casper.. Aber er findet keine genaueren Infos, aber dafuer ne Telefonnummer unter dem Demoaufruf. Ich ruf an, Yann ist dran… ‚Hallo Yann, ich hab Deine Nummer unter einem Demoaufruf gefunden, bin ich da richtig bei Dir? Seid Ihr gerade auf der Demo?‘ ‚Ja, sind wir, hier geht gerade aber gar nichts, wir sind nur 50 Leute und eingekesselt von Polizisten…‘

Eine Woche spaeter, diesmal bin ich besser vorbereitet, ich weiss wie ich dahin komme, zur Pferderennbahn.. es ist kalt und grau heute… der Wind pfeift durch meine viel zu duenne Jacke..

Ich komme auf einen Seitenweg, der leider komplett von Polizisten blockiert ist… ich bleibe kurz stehen, schlage lieber einen grossen Bogen gemeinsam mit ein paar Leuten die den selben Weg haben wie ich .. wir kommen an, eine Gruppe von vielleicht 40 – 50 Leuten ist da, mit Lautsprecherwagen, zwischen der Pferderennbahn und dem CRA de Vincennes.. einem Abschiebegefaengnis. Wir sind hier um gegen die Bedingungen im Knast aber auch generell gegen die Existenz solcher Abschiebegefaengnisse zu protestieren und den Inhaftierten unsere Solidaritaet zu zeigen.

Die Polizisten haben alles abgeriegelt. Wir koennen aber die Zellenfenster in der Ferne sehen… ich unterhalte mich mit ein paar Leuten in der Naehe der Absperrung, es kommt jemand an, der meint dass die Polizisten uns die ganze Zeit filmen, ich schaue hin .. eine Kamera, auf uns gerichtet, irgendwie ist es mir egal…

Mein Telefon klingelt, es ist Yann, er ist auch auf der Demo, ich drehe mich im Kreis und schwups, ich denke ich sehe ihn, und er ist es tatsaechlich..

Wir unterhalten uns eine Weile, Louise kommt dazu, spricht uns an, wir stehen da, auf einmal, Blaulicht, 20-30 Wagen, sie bleiben in einigem Abstand zu uns stehen… ein Wagen naehert sich, und hinten drin sitzen 4 Sans Papiers, erfolgreiche Menschenjagd… wir blockieren die Strasse, sie zoegern nicht lange und drehen um…

Ein anderer Ort, ein anderer Tag… Louise hat mich mitgenommen zu einer Hilfsorganisation: Droits Devant. Sie geben u.a. Sans Papiers juristische Unterstuetzung. Sprich, falls sie festgenommen werden versucht Droits Devant, dass sie freigelassen werden. Schaffen sie das, erhalten sie oftmals allerdings eine Aufforderung das franzoesische Territorium zu verlassen. In diesem Falle haben sie 48 Stunden Zeit eine Aufhebung dieser Anordnung zu beantragen. Auch hierbei werden sie von Droits Devant unterstuetzt. Sie suchen Freiwillige, die mit den Sans Papiers zusammen Papiere ausfuellen, auf denen die noetigen Informationen festgehalten werden, die dann ermoeglichen, dass im Falle einer Verhaftung dieser Menschen Droits Devant – wie eben beschrieben – helfen kann.
Wir kommen an, ein Raum, gefuellt mit ca. 40 Leuten, fast alle Sans Papiers, die Leute von Droits Devant und Louise und ich… wir werden freundlich begruesst. D. von Droits Devant redet zu uns allen. Sie ist eine beeindruckende Persoenlichkeit, voller Energie… ‚Ich bitte Euch, kaempft nicht nur fuer Euch, kaempft fuer Alle!‘ Danach fragen sie Louise und mich, ob wir gleich mal anfangen wollen zu helfen… ich hab keine Ahnung, ob ich das mit meinem Franzoesisch hin kriege.. will den ersten Tag erstmal lieber ueber die Schulter schauen. Wir bleiben 4-5 Stunden .. abends qualmt mir der Kopf, Bilder vom Tag schiessen mir durch den Kopf.. lassen mich nicht zur Ruhe kommen… da ist der 45-jaehrige aus Mauretanien, der uns erzaehlt, dass er seit ca. 1-2 Monaten da ist, er ist mit einem Boot ruebergekommen auf die Kanarischen Inseln… dann die 19 jaehrige, mir ihrem ein paar Monate alten Kind, keine Familienangehoerige in Europa, auch nicht in ihrem Herkunftland, Und sonst irgendwo in der Welt? Sie schuettelt nur den Kopf.. Schweigen… All die Menschen, die uns heute gegenuebersassen, schiessen mir durch den Kopf, ein kurzes Aufleuchten nach dem Anderen… Lust zu reden habe ich heute nicht, ich zieh mir nen Tuetchen rein und knall mich hin, ich bin still… zur Ruhe komme ich nicht… eine Woche spaeter bin ich wieder dort, diesmal versuche ich alleine die Gespraeche mit den ‚Sans Papiers‘ zu fuehren und die Papiere, die Grundlage fuer die von Droits Devant geleistete Unterstuetzung sind, auszufuellen, und es klappt, auch mit fehlerhaften franzoesisch… ich will versuchen ein/zwei mal die Woche dort hinzugehen und zu helfen…

Yann holt mich mit dem Auto von der Metro ab, wir fahren zu ihm… Yann hat vor ein paar Monaten mit ein paar Freunden die Organisation SOS SOUTIEN AUX SANS PAPIERS gegruendet. Sie sind 5 Leute, die sich schon seit langem kennen, und sich schon laenger fuer Sans Papiers einsetzen. Sie haben SOS gegruendet, um ihre Arbeit effektiver zu gestalten, zu strukturieren. Ihr Statut, indem sie ausdruecklich erklaeren, dass sie diese Organisation gegruendet haben, um Sans Papiers zu helfen, dass diese hier in Frankreich bleiben koennen, richtet sich hiermit gezielt gegen das gesetzliche Verbot, Auslaendern ohnen Papieren zu helfen.

SOS machen verschiedene Sachen, zur Zeit unterstuetzen sie u.a. die Inhaftierten in den Abschiegefaengnissen. Die Abschiebegefaengnisse sind immer voll, schliesslich hat Hortefeu, der Minister fuer Immigration und nationale Identitaet, eine Zahl von 25.000 Sans Papiers abzuschieben, jedes Jahr. Schafft er das nicht kriegt er Aerger, seine ‚Arbeit‘ wird schliesslich von einer privaten Beraterfirma begutachtet. Um zu dieser Zahl zu kommen wird rigoros vorgegangen, es kommt staendig zu Kontrollen, an Bahnhoefen, auf der Strasse, in der Metro, sie dringen in Unterkuenfte ein – Foyers – von denen bekannt ist, dass dort Sans Papiers leben. Sie umstellen ganze Viertel, und sie warten vor den Schulen auf Eltern ohne Papiere, die ihre Kinder aus der Schule abholen, und nehmen sie an Ort und Stelle fest. Sie suchen alte Akten heraus, von Sans Papiers, die in der Vergangenheit zur Prefektur gegangen sind, um verschiedene Anfragen einzureichen und holen sie direkt bei ihnen zu Hause ab…

Und es triftt nicht nur Leute, die seit kurzem in Frankreich sind, sondern in immer groesserer Zahl solche, die schon seit mehreren Jahren in Frankreich sind, einer Arbeit nachgehen, zwar haeufig mit falschen Papieren, oder mit den Papieren anderer, aber ihre Steuern, ihre Sozialversicherungsbeitraege zahlen, eine Steuererklaerung machen, ihre Kinder gehen zur Schule… sie fuehren beinahe ein Leben wie Menschen mit Papieren, bis sie eines Tages in eine Kontrolle geraten, ihnen wenn sie ihre Kinder von der Schule abholen, aufgelauert wird…

Diese Kontrollen begannen vereinzelt und wurden immer haeufiger.. ein schleichender Prozess.

Seit ‚Saint Bernard‘ kam es zu Versprechungen von Seiten der Regierung die Situation von einer groesseren Zahl von Sans Papiers zu regularisieren. So zum Beispiel unter der Regierung von Jospin, als eine grosse Kampagne gestartet wurde, in der versprochen wurde, dass eine Regularisierung angegangen werden wuerde und die Sans Papiers aufgefordert wurden, zu den Prefekturen zu gehen, um dort Akten anzulegen. Es wurde allerdings nie gesagt, welches Ausmass die Regularisierung haben wuerde und wie diese genau ablaufen werde. Und da es eine Regierung von links war haben die meisten Menschen ihnen geglaubt, so auch die Hilfsorganisationen. Letztlich war die Zahl der Regularisierungen aber sehr gering. Und spaeter unter Sarkozy wurde eine aehnliche Kampagne gestartet mit dem Versprechen eine Regularisierung anzugehen, und die Leute haben es wieder geglaubt. Und so gab es lange Schlangen vor den Prefekturen, Sans Papiers, die in der Hoffnung auf Papiere ihre Akten hinterlegen wollten. Und wieder war die Zahl der Regularisierungen klein.

Dafuer aber besassen die Prefekturen nun die Akten von Tausenden von Sans Papiers mit den Informationen, wo diese aufzufinden sind.

Seit ein-zwei Jahren steigt nun die Intensitaet der Kontrollen. Es begann langsam und steigerte sich zunehmend zu einer alltaeglichen Bedrohung fuer Sans Papiers, Kontrollen auf der Strasse, ganze Viertel werden umstellt, Kontrollen in der Metro, auf den Baustellen, in den Restaurants, in den Foyers (eine Art Wohnheim fuer Sans Papiers), sie lauern den Sans Papiers vor den Schulen auf, wenn diese ihre Kinder abholen wollen.

Die Prefekturen haben auch begonnen Druck auf Arbeitsinspektoren auszuueben. Diese Inspektoren haben die Aufgabe die Arbeitsbedingungen an Arbeitsplaetzen zu ueberpruefen. Im Rahmen ihrer Inspektionen haben sie das Recht ohne Ankuendigung an den Arbeitsplaetzen aufzutauchen und sich dort ueberall Zugang zu verschaffen. Die Prefekturen ueben nun Druck auf die Inspektoren aus, dass diese an bestimmten Tagen an bestimmten Arbeitsplaetzen, von denen die Prefektur weiss, dass dort Sans Papiers arbeiten, eine Kontrolle durchzufuehren, allerdings in Begleitung der Polizei, die sich die Zugangsmoeglichkeiten der Inspektoren fuer ihre Suche nach Sans Papiers an den Arbeitsstellen zu Nutze machen. Viele Inspektoren weigern sich, andere machen aus Angst um ihre Karriere oder aus anderen Gruenden mit.

Yann war damals bei ‚Saint Bernard‘ dabei…

‚Saint Bernard stellt eine Art Erneuerung des Kampfes der Sans Papiers dar. Vor Saint Bernard sprach man von clandestins und danach von Sans Papiers. Schon auf der Ebene der Bezeichnungen, der Worte aenderte sich also einiges. Saint Bernard war 1996. Es waren Afrikaner, die die Schnauze voll hatten. Die meisten von ihnen waren schon seit Jahren in Frankreich, sie hatten ihre Familien hier, zahlten ihre Steuern, die einzige Sache war, dass sie eben keine Papiere hatten. Sie hatten genug davon, abzuwarten und auf Veraenderung zu hoffen. Sie schlossen sich zusammen und fuehrten zwei, drei Besetzungen durch. In einer Kirche, in einer Turnhalle, in zwei, drei Orten in Paris. Und schliesslich auch in der Kirche Saint Bernard in Paris. Und dort blieben sie, vielleicht 2 Monate, vielleicht mehr. Und dort gab es einen Unterstuetzungswillen von Seiten der Bevoelkerung aus. Und so kam es dazu, dass Tag und Nacht Hunderte von Menschen um die Kirche herum lagerten, um die Sans Papiers in der Kirche zu unterstuetzen. Bis zu dem Tag, an dem die Regierung beschloss, dass es reicht, dass die Besetzung schon lange genug andauere. Vorher hatte die Regierung ein paar mal Vermittler geschickt, um mit den Sans Papiers in der Kirche zu verhandeln, sie machten ihnen Versprechungen, aber solch lose Versprechungen hatten die Sans Papiers leid. Einige begannen mit einem Hungerstreik, es war schlimm, einige mussten sogar ins Krankenhaus. Letztlich, am 23. August 1996 schickte die Regierung die Polizei, das Militaer um genau zu sein, die gendarmes mobile. Sie sind angekommen und haben die Leute, die um die Kirche herum waren zusammengeschlagen, also auch mich. Sie sind dann gewaltsam in die Kirche eingedrungen, sie haben die Kirchentuer mit einer Axt eingeschlagen, alle Sans Papiers aus der Kirche rausgeholt, sie wurden festgenommen, die Maenner in Busse gesteckt, die Frauen und Kinder in andere Busse gesteckt und haben sie ins Gefaengnis gebracht. Danach kam es zu Prozessen, ein Prozess nach dem anderen. Es waren viele Leute in der Kirche gewesen, ca. 200-300 Personen, also, die Maenner, Frauen und Kinder zusammen. All dies wurde aber so schnell und schlecht durchgefuehrt, dass es in den Prozessen ein leichtes fuer die Anwaelte war, zu erreichen, dass fast alle Leute freigelassen wurden. Danach ging es um den Kampf fuer die Regularisierung der Sans Papiers, also Papiere fuer sie zu erkaempfen. Und die meisten haben Papiere bekommen, sie haben diesen Kampf gewonnen, es waren nur sehr wenige, die abgeschoben wurden. Und das hat doch etwas veraendert in den Koepfen vieler Sans Papiers. Das heisst, fuer viele war dies ein Zeichen, dass es vielleicht andere Moeglichkeiten gibt, als versteckt in einer Ecke zu warten, dass sich etwas veraendert, dass sie vielleicht etwas versuchen koennen, dass sich etwas aendert, dass sie dafuer kaempfen koennen, dass sie Papiere bekommen. Und seitdem hat dieser Kampf nicht aufgehoert.‘

In den Abschiebegefaengnissen bei Paris kommt es seit Ende Dezember immer wieder zu Protesten. Angefangen hat es im CRA de Mesnil-Amelot Ende Dezember. Ein dort Inhaftierter aus dem Senegal wollte die Bedingungen im Knast – u.a. keine Heizung, kein warmes Wasser, das schlechte Essen – nicht mehr einfach so hinnehmen. Er begann kleine Zettel mit Aussagen wie ‚Liberte, Egalite, Fraternite‘ (‚Freiheit, Gleichheit, Bruederlichkeit‘) , ‚Je ne suis pas un criminel‘ (‚Ich bin kein Krimineller‘) oder ‚On est des etre humains‘ (‚Wir sind Menschen‘) zu beschreiben und an seiner Kleidung zu befestigen und trat in den Hungerstreik. Der Funke sprang ueber und andere Inhaftierte machten es ihm nach und die Gefaengnisleitung wurde unruhig. Auch weil ‚militants‘ der Gruppe SOS SOUTIEN AUX SANS PAPIERS Kontakt zu ihm suchten, wie Yann meint, einer der Mitglieder dieser Gruppe:

‚Einer meiner Kameraden, der auf dem Weg zur Arbeit war, hoerte im Radio, dass ein Sans Papiers im CRA de Mesnil-Amelot in den Hungerstreik getreten ist. Er wechselte sofort die Richtung und fuhr dorthin, um diese Person zu besuchen, um zu wissen, wer dieser Mensch ist und es klappte und er besuchte ihm im CRA (…) Als er ihn am naechsten Tag noch einmal besuchen wollte, hatte die Polizei ihn nach Vincennes verlegt – sie hatten mitbekommen, dass der Besuch ein ‚militant‘ war und erhofften sich dass mit der Verlegung die Proteste in Mesnil-Amelot aufhoeren wuerden. Aber die Proteste in Mesnil-Amelot gingen weiter. Ich selbst habe ihn dann gleich am ersten Tag als er dort angekommen ist besucht (…) Und ich fragte ihn: Bon, und was willst Du jetzt machen? Und er sagte: Naja, ich will versuchen die selbe Sache hier zu machen, aber, na gut, ich bin erst seit 4-5 Stunden hier, ich hab das Gefuehl, das funktioniert hier nicht, die Leute haben Angst … Ich habe ihm dann meine Nummer dagelassen und ihm gesagt, dass er nicht zoegern soll mich anzurufen, wenn es irgendwas gibt, wenn ich irgendwas machen kann… und? Zwei stunden spaeter ruft er mich an: Es klappt, andere haben sich angeschlossen und wir sind zusammen in den Hungerstreik getreten! So ging das also los Ende Dezember…‘

‚Dieser Herr wurde auf der Strasse kontrolliert, seine Papiere wurden ueberprueft und er wurde als Sans Papier festgenommen. Aber er war schon mehr als sechs Jahre in Frankreich und arbeitete fuer eine Nachhilfeschule, mit falschen Papieren, aber er hatte eine richtige Arbeit und er selbst war Mathelehrer und er hatte eine grosse Akte zusammengetragen mit Bestaetigungen und Dankesschreiben der Familien der Kinder denen er Nachhilfeunterricht gab, die aussagten, dass dank ihm die Kinder ihre Pruefungen an der Schule geschafft haben. Er bewahrte all diese Schreiben in der Vorahnung auf, dass ihm das vielleicht eines Tages helfen koennte. Wir haben ihn dann unterstuetzt, haben ihn in Kontakt mit unserem Anwalt gebracht. Und in dem Gerichtsverfahren, in dem entschieden wird, ob die Inhaftierten weiter im Gefaengniss bleiben muessen oder ob sie bis zur entgueltigen Entscheidung freigelassen werden, hat es unser Anwalt geschafft, dass er vorlaeufig frei gelassen wird.Und seitdem versteckt sich dieser Herr mehr oder weniger, weil er keine Lust hat wieder in das Abschiebegefaengnis zu kommen. Das naechste Gericht hat dann sein Ausweisungsbescheid bestaetigt. Wenn er also geschnappt werden sollte wird er sofort abgeschoben.‘

Auch nachdem dieser Herr nicht mehr im CRA war gingen die Proteste weiter… Sie richten sich gegen die Inhaftierung ueberhaupt, aber auch gegen die Zustaende im Gefaengnis, so beklagen sich Inhaftierte immer wieder ueber die selben Haftbedingungen, dass nicht oder nur sehr wenig geheizt wird, die Decken ekelhaft sind, die Waesche wird selten gewaschen, das Essen ist widerwaertig, und lauter ‚Kleinigkeiten‘, wie z.B. dass sie respektlos vom Gefaengnispersonal angesprochen und provoziert werden..

‚Die Moeglichkeiten des Protestes im Gefaengnis sind natuerlich begrenzt, Hungerstreik, die Weigerung nachts wieder in ihre Zellen zu gehen, die Weigerung den kleinen Gefaengnishof zu verlassen, die Weigerung sich zaehlen zu lassen.. und so, und dafuer haben wir vielfache Zeugnisse von Inhaftierten, kam es zu Schlaegereien im CRA, das heisst auf der einen Seite die Polizei und auf der anderen Seite die Sans Papiers. Und es endete oft damit, dass einige Sans Papiers ins Krankenhaus eingeliefert mussten, es gab zwei-drei mal Arm und Beinbrueche… (…) einmal, nachts, waren wir vorm Gefaengnis, zu der Zeit, zu der normalerweise die Inhaftierten gezaehlt werden. Und sie weigerten sich gezaehlt zu werden… und ploetzlich kamen massenweise Polizeiautos an, mit Blaulicht und Sirenen, um sich mit den Sans Papiers zu schlagen, und wir hoerten es von draussen, die Schreie der Sans Papiers im Gefaengnishof, die schrien, weil sie geschlagen wurden… sie muessen hart zu geschlagen haben.‘

Seit Ende Dezember flammen die Proteste immer wieder auf im Gefaengnis, von der Polizei wird versucht die ‚Stoerenfriede‘ zu isolieren, sprich, die engagiertesten in Isolationshaft zu stecken, sie in andere Gefaengnisse zu verlegen, es kam sogar dazu, dass solche Sans Papiers freigelassen wurden, weil sie als zu gefaehrlich eingeschaetzt wurden.

Yann und die anderen von SOS versuchen zu helfen.. sie halten telefonischen Kontakt mit den Inhaftierten, besuchen sie, was immer staerker behindert wird, sie organisieren jeden Samstag Protestversammlungen vor dem CRA um den Inhaftierten ein lautstarkes Zeichen zu geben, dass sie nicht allein sind, um ihnen ein Zeichen der Solidaritaet zu geben.

‚Im Januar haben wir eine Art ‚wilde‘ Pressekonferenz vor dem CRA gegeben. Wir haben niemanden bescheid gesagt, ausser einigen Journalisten und Sans Papiers. Wir hatten ein Megaphon dabei und haben im CRA angerufen, als wir einen Sans Papiers am Telefon hatten, haben wir das Telefon an das Megaphon gehalten und so hat der Sans Papiers aus dem CRA heraus zu den anwesenden Journalisten aus Presse, Radio und Fernsehen ueber das Megaphon gesprochen. Das hat sehr gut funktioniert und letztlich hatten wir dadurch einige Meldungen zu der Situation im Gefaengnis in den Medien erreicht.‘

Ich will selbst mal mit jemanden im CRA sprechen. Im CRA befinden sich Telefonkabinen in denen man tagsueber direkt Kontakt mit den Inhaftierten aufnehmen kann. Ich rufe einfach mal an und stolper ueber verschiedene Menschen, die sich gerade in der Naehe der Telefonkabinen aufhalten und den Hoerer abnehmen. Ich erklaere dem der abnimmt, warum ich anrufe, er holt jemand anders ans Telefon, der wiederum jemanden holt, bis ich schliesslich beim Vierten Glueck habe. Er kommt aus Marokko. Er ist seit 8 Jahren in Frankreich, hat hier mit falschen Papieren gearbeitet, Steuern bezahlt. Er war auch auf das Versprechen einer Regularisierung unter Sarkozy ‚reingefallen‘, ist zur Prefektur gegangen, hat eine Akte angelegt und auf Papiere gehofft. Aber nichts.. Er lebte und arbeitete weiter in Frankreich, bis er in eine Kontrolle auf der Strasse geriet und festgenommen wurde…

Nun ist er im CRA de Mesnil-Amelot. Vor ein paar Tagen haben sie – eine Gruppe von ca. 35 Personen – sich geweigert den Gefaengnishof zu verlassen. Sie wollten auf dem kleinen Fussballplatz im Hof uebernachten. Sie wollten damit ein Zeichen des Protestes setzen, gegen die Bedingungen im Gefaengnis und generell gegen ihre Festnahme. Die Polizei forderte sie auf ins Gebaeude zu gehen. Sie weigerten sich, es kam zu Verhandlungsversuchen, bis die Polizei schliesslich erklaerte, dass sie letztlich mit Gewalt dazu gezwungen werden wuerden. Sie weigerten sich weiterhin. Dann kamen ca. 80 Polizisten, bewaffnet mit Schlagstoecken und Helmen auf den Hof und schlugen die Sans Papiers zusammen. Es gab mehrere Verletzte, auch Armbrueche, ein paar Sans Papiers mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Am folgenden Tag gingen einige in den Hungerstreik, aber nur fuer einen Tag. Die Situation sieht fuer ihn verstaendnisserweise hoffnungslos aus. ‚Ich rechne damit in den naechsten Tagen abgeschoben zu werden.‘

Ein anderer Tag, ein anderer Ort, ich muss Geld verdienen. Habe durch Zufall einen Job in einer Putzfirma bekommen. Die ersten Tage putze ich bei Modenschauen. Eine andere Welt. Auch die Modenschau selbst kann ich mir ansehen, etwas bizarr, das ganze.
Ich sehe die Probe der ersten Modenschau. Die Models muessen auf ihrem Steg stolzieren. Eine Frau und ein Mann, keine Ahnung wer das eigntlich ist, aber alle finden sie toll und lachen ueber ihre Witze, laufen nebenher und kommentieren und animieren das ganze. ‚Heeeeyyy, you can smile, come on smile a bit.. no, don‘t walk like that… tatatitatata..‘ Zum Ende wird der Abschluss der Modenschau geuebt… alle Models zusammen raus, die mikrobestueckten animateure, vorneweg, zwischen ihnen hindurch, sie taenzeln alle zusammen ueber den laufsteg zur Musik von den Beatles, aus den Boxen droehnt der Text: You say you want a revolution… We all wanna change the world.. die animateure sind nicht zufrieden: hey, schlaft nicht ein, das ist ne Revolution hier, okay, das ganze nochmal…‘ Mein lieber Mitschichter und ich gucken uns an und lachen uns schlapp, das ist nicht wahr, oder…

Ein paar Tage spaeter, ein Prozess gegen Sans Papiers.. Der Prozesssaal ist leer bis auf neun Maenner und fuenf Frauen -alle Sans Papiers- die von ihren Bewachern umringt auf zwei Baenken auf ihren Prozess warten, die Richterin, einige Angehoerige, der Staatsanwalt, ein paar Verteidiger, eine Uebersetzerin, Louise und ich. Wir warten eine Weile bis die Prozesse beginnen, dann geht alles schnell und nach dem gleichen Muster, die Anklage beginnt, dann ist die Verteidigung dran. Die ‚Angeklagten‘ selbst kommen nicht zu Wort. Dann eine Pause und nach einer guten halben Stunde die Urteile, die schnell verlesen werden, eins nach dem wird runtergelesen, 7 werden abgeschoben, 5 Prozesse werden aufgeschoben, 2 duerfen erstmal auf freien Fuss – sie sind mit Franzoesinnen verheiratet. Erleichterung bei den Freigelassenen ernuechternde Stille bei den anderen: sie werden in den naechsten Tagen abgeschoben. Dann ist alles vorbei. Kontakt mit den ‚Angeklagten‘ ist nicht zugelassen. Ihr Aufenthalt in Frankreich ist beendet…

Es ist Sonntag mittag, wir haben uns fein rausgeputzt, wir sind in dem Restaurant in Paris, in dem Sarkozy seinen Wahlsieg feierte. Wir sind insgesamt 16 und haben uns an zwei Tischen verteilt.. ich schaue mir die Speisekarte an. 150 Gramm Kaviar fuer 1000 Euro.. wir sitzen ein paar Minuten und studieren die Menus, dann klingelt ein Telefon.. wir heben die Speisekarten vor unsere Gesichter, setzen unsere Clownsnasen auf, linsen ueber die Karten, zwinkern uns zu.. das ist der Moment, wir legen die Karten auf den Tisch, stehen alle auf, drehen uns um, holen unsere Clowns Army Ausweise heraus und sagen lautstark im Chor: Meine Damen und Herren, Dies ist eine Ausweiskontrolle, Keiner verlaesst den Raum, lassen sie ihre Hanede aus den Taschen, senken sie die Augen, und alles wird in Ruhe ablaufen!

Dann schwirren wir in Zweiergruppen aus, bewaffnet mit Clownsnasen und unseren Ausweisen, streben wir eilig auf verschiedene Tische zu! ‚Espion‘ und ich – ‚Huenuel‘ – nehmen ein gut gekleidetes Paerchen in beschlag, Ausweis unter die Nase, ihren Ausweis bitte. Sie schauen etwas verstaendnislos, grinsen ein wenig, und halten uns einen imaginaeren Ausweis entgegen, ich sage ihnen, dass wir das nicht lustig finden, und sie unsere Zeit nicht stehlen sollen, also, Ausweise bitte! Sie fragen, was passiert, wenn sie keine Ausweise haben, wir erklaeren ihnen, dass es dann unangenehm wird und sie uns auf die Wache begleiten werden, und im Ernstfall mit einer Abschiebung zu rechnen haben… sie drucksen rum, fuehlen sich ein wenig unwohl.. ein paar Tische weiter geht es weniger ruhig zu, ein Herr der von einem von uns kontrolliert wird, will seinen Ausweis nicht zeigen, er wird laut und schreit herum… ueberall schwirren clowns herum und kontrollieren, die Sicherheitsleute beginnen uns rauszuschmeissen, sie finden das ganze nicht so lustig.. wir kontrollieren vier chic gekleidete Herren, sie koennen kein Franzoesisch und starren uns verstaendnislos auf unsere roten Nasen, wir erklaeren auf Englisch, das es sich nur um eine Ausweiskontrolle handelt… sie betrachten lange unsere Ausweise, sagen keinen Ton, ploetzlich kommt ein Sicherheitsmann wuetend auf mich zu, verpiss dich, es reicht, ruft er, packt mich und zerrt mich Richtung Tuer, ich frage ihn ob er sich bewusst ist, was er da gerade macht, dass meine Kollegen gleich auftauchen werden, die nicht so friedlich sind wie ich und dass er dann mit den Konsequenzen leben muss, er ist ziemlich sauer… Dies ist ein Unternehmen, sowas koennt ihr hier nicht machen.. ich sage ihm, das wir uns noch sprechen werden.. wir kommen zur Tuer er stoesst mich nach draussen, ich stolper, verliere meine clownsnase…

Es ist dunkel, die Nacht naht. Es ist kalt heute in Paris.. In den Abschiebegefaengnissen duerften jetzt die Inhaftierten gezaehlt werden. Seit einigen Tagen sind wieder zwei Menschen im CRA de Vincennes in den Hungerstreik getreten. Sie warten auf ihre Abschiebung in eine ungewisse Zukunft..

5Tage – Reportage zum Baskenland

deutsch // 15:21 Min // Heiner Scheel

Im Norden der iberischen Halbinsel gibt es seit langem den Konflikt um Autonomie und Unabhängigkeit des Baskenlandes. In dieser Reportage kommen verschiedene Menschen zu Wort, die in diesen Konflikt involviert sind. So z.B. Martxelo Otamendi, der Chefredakteur der baskischsprachigen Zeitung `Egunkaria´. Die Zeitung wurde 2003 unter der Anklage, sie wäre ein Teil der ETA, verboten und einige ihrer Redakteure wurden verhaftet. Otamendi gehörte selbst zu den Verhafteten und erzählt die Ereignisse aus seiner Perspektive, besonders die Zeit seiner 5-tägigen Haft, in der er – wie er berichtet – gefoltert wurde. Auch der baskische Anwalt Txema Matanzas kommt zu Wort und Iñigo Elkoro von der Organisation TAT, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Realität der Folter im Baskenland auch international bekannt zu machen. Er gibt uns ein Bild des Ausmaßes der Folter im Baskenland.

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Jip, this is my blog! Some months ago i left my hometown 'beautiful Halle/Salle'. After some time in the mountains i'm right now in Paris for a while, before heading for North Africa. You find here in my blog things i experience, see, hear and ... Sometimes there will be maybe only short articles or fotos, sometimes little video-clips... let's see...

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